Bensheim, Schul-News

Begeistert zeigte sich Metzendorf Lehrerin Gabi Ellendt-Bartmann von ihren neuen Zeichenkünsten bei der Fortbildung zum Thema Visualisieren.
29. Juni 2014 

Anstiftung zur Kreativität

Metzendorf Lehrer werden im bildhaften Darstellen geschult

BENSHEIM, Juni 2014 (meli), Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Diese allgemeine Weisheit nahmen sich vierzehn Lehrerinnen und ein Lehrer der Heinrich Metzendorf Schule zu Herzen und meldeten sich für eine Fortbildung zum Thema „Visualisieren leicht gemacht“ an. Eingeladen wurde dazu mit Brigitte Seibold ein professioneller Coach. Als „Visual Facilitator“ bezeichnet sich die geübte Trainerin, deren Betätigungsfeld normalerweise eher im Unternehmensbereich und weniger in Schulen liegt.

Ihr ganztägiges Trainingsprogramm, das sie als eine Anstiftung zur Kreativität versteht, beginnt mit dem Grundsatz: „Ich kann nicht malen, gibt’s nicht!“. Es gibt, so betont sie, zwar eine normierte Rechtschreibung, aber keine Rechtzeichnung. Was schön und gelungen ist, unterliegt einer rein subjektiven Beurteilung. Oftmals findet aber trotzdem schon im Kleinkindalter eine Beurteilung statt, die dann ein Leben lang hemmt. Sofort wurde ihr das dann von ihren Zuhörern mit der Erinnerung an den Satz aus Kindergartentagen, „das sieht ja gar nicht aus wie ein Elefant“, bestätigt. Brigitte Seibold findet dies bedauerlich, denn Visualisieren lockert auf, schaltet eine zusätzliche Aufnahme im Gehirn zu und schafft eine positive Atmosphäre bei Informations- oder Lernsituationen.

Selbst ein Lachen über einen Zeichenversuch, sieht sie als einen Gewinn. Denn Lachen öffnet und bringt in Kontakt. Genau das ist der Ansatz, den auch die Lehrer der Metzendorf Schule verfolgen. Sie wollen ihre Schüler mit einer Unterrichtsmethode ansprechen und in einer positiven Lernatmosphäre nachhaltige Lernerfolge erzielen. Doch damit es nicht bei einem Lachen als Türöffner bleibt, sondern auch Inhalte verständlich übermittelt werden können, bot die Trainerin mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung das nötige Handwerkszeug dazu. Los ging es mit wenigen Strichen, mit denen man sogenannte Manikins als Symbole für Menschen zeichnen kann. Etwas Rundes als Kopf und dazu ein längliches Feld als Körper, das reicht schon, so vermittelt Seibold. Damit lassen sich Gruppen und Einzelperson ausreichend darstellen. Soll dazu etwas Dynamik zum Ausdruck kommen, werden mit wenigen Linien die Arme und Bein ergänzt. Gesichtsmimik mit Lippen nach unten, nach oben oder leicht schief kann Unzufriedenheit, Freude oder auch Zögern andeuten.

Der Coach präsentierte auf dem Flipchart die Vorlagen und ohne Mühe konnten es die Teilnehmer der Fortbildung auf ihren eigenen Flipcharts nachfertigen. Immer dabei aber die Aufforderung zur eigenen Kreativität, mit der Ermutigung zum Entwurf neuer Formen. Wenn diese mehr oder weniger detailliert gezeichneten Menschen dann noch im Kontext von Symbolen oder prägnanten Textfeldern stehen, wird schnell aus einem Plakat eine ansprechende Information. Auch Farben verstärken dabei die Wirkung. Immer im Kopf, so das Credo des Coachs, ist dabei der Gedanke der Reduktion: Weniger ist mehr. Ein Haus muss keine Tür und keine Fenster haben, es reichen dafür fünf Striche als Umriss. Während die Metzendorf Pädagogen am Vormittag noch eifrig Strichmännchen produzierten, entstanden am Nachmittag schon komplexe Gebilde. Begriffe wie Pause oder Kooperation waren da sehr gut durch die Visualisierung zu erkennen.

Im letzten Teil des Coachings durfte ein freies Thema bearbeitet werden. Dabei zeigte sich, wie sehr die Lehrer schon an den Einsatz bei ihren Schülern dachten. Für den Politikunterricht wagte sich eine Teilnehmerin an das Thema Tarifverhandlungen, eine andere gestaltete mit dem Bild eines Spagats den Einstieg, mit dem sie die neuen Auszubildenden im Sommer auf die Anforderungen des dualen Ausbildungssystems mit Leistungen in Schule und Betrieb sensibilisieren will.

Brigitte Seibold beendete passend zu ihrem Thema die Fortbildung mit Bildern. Am Vormittag waren sie alle noch kleine selbstkritische Raupen, die sich das Visualisieren nicht wirklich zugetraut haben, jetzt sind sie wunderschöne Schmetterling, die tolle Plakate entworfen haben, lobte sie die Metzendorf Pädagogen.