Seeheim-Jugenheim, Startnews

Die Künstler waren zufrieden mit der Gemeinschaftsausstellung "Unsere Welt". Foto: soe
30. Dezember 2025 

Collage aus Emotion, Reflexion und Perspektive

Künstlerkreis Seeheim-Jugenheim mit individuellen Sichtweisen auf die Welt

SEEHEIM-JUGENHEIM, Dezember 2025 (tt), Die Erde ist einigermaßen rund und rotiert stoisch um ihre Achse. Seit kurzem sogar etwas schneller als früher. Jenseits der planetarischen Definition versteht der Mensch unter dem Begriff Welt die Gesamtheit der begreifbaren oder erkennbaren Dinge – und deren Beziehungen zueinander. Seine Wahrnehmung der Welt verändert sich je nach Perspektive: der zivilisatorisch gefärbten, der philosophischen oder der persönlichen.

Die Welt ist so, wie man sie sieht. Und damit voller Kontraste, Assoziationen und Interpretationen. Auch die Kunst ist eine Art, die Welt zu betrachten. Sie beeinflusst die Qualität, wie wir sie empfinden und mit ihr interagieren. Kunst formt die Realität und fordert sie heraus. Und sie ist in der Lage, Blicke zu weiten und neue Horizonte zu öffnen, indem sie den Menschen aus Automatismen der Wahrnehmung herausreißt und sinnlich motiviert, über das Offensichtliche hinaus zu schauen und in eine andere Welt – einer der Vorstellungskraft – einzutauchen.

Wer derzeit mit offenem Visier in die Galerie Altes Rathaus kommt, dem öffnet sich ein ganzes Universum an Kreativität und Ausdruck. Magische Landschaften und amüsante Illusionen, offene Zivilisationskritik und verträumte Paradiese, dunkle Bedrohungen und sonnige Phantasien. Der Künstlerkreis Seeheim-Jugenheim präsentiert unter dem Titel „Unsere Welt“ eine mannigfaltige Collage mit über 30 Arbeiten von 16 Mitgliedern, in der die Vielfalt der Akteure deutlich wird – sowohl in technisch-handwerklicher wie auch in expressiver Hinsicht. Die Ausstellung ist bis zum 21. Dezember geöffnet, immer samstags von 15 bis 17 und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

„Ob Angst oder Hoffnung, Trotz oder Stolz: die Welt ist ein hoch emotionales Thema“, so Ernst Spangenberg bei der Vernissage und schob nach, dass auch der Humor eine wichtige Zutat ist, mit der man seine Umgebung wahrnehmen und einordnen kann. Er selbst hat zwei Werke beigesteuert. Der betagte Bickenbacher Maler, Autor und Humorist bleibt sich treu: poetisch und gesellschaftskritisch, märchenhaft und zart, und die Wahrnehmung immer durch einen visuellen Tritt in den Allerwertesten aufhellend. Wie verträumt liegt Olga Fritsches Alpsee im fotografischen Dunst, während Christina Müller in kosmischen Spiralnebeln schwebt oder sich ihre eigene Welt zusammenbaut: ein Materialmix aus Acrylfarbe, Textfragmenten und Zeitungsausschnitten, der sich beim präzisen Betrachten als Collage aus Hektik und Meditation, aus grellbunter Energie und naturverbundener Kontemplation herausstellt. Der Mensch wird darin zum Konstrukteur seiner Umgebung – und gleichermaßen zum kritischen Kommentator dessen, was er geschaffen hat.

Zur Ruhe kommt der Besucher bei den abstrakten Gemälden von Uschi Möser („Cool Place“) und Helga Mayer, die menschliche Silhouetten aus dem Nebel auftauchen lässt. Die Malerin aus Nieder-Beerbach vereint gegenständliche-figürliche Elemente und freie Assoziationen aus Formen und Farben, die dem Betrachter viel Raum zum sinnlichen Erleben und Interpretieren lassen.

Cornelia Herpel-Mattutat zeigt neben plastischen Gemälden auch Installationen und Objekte aus Marmor. „Verbrannte Erde“ besteht aus einem verkohlten Holz-Berg, an dem kleine Figürchen recht verloren erscheinen: der Mensch zerstört seine Umwelt, mit öden Konsequenzen. Aus CDs und Spielfiguren hat sie die humorvolle Allegorie einer Welt erschaffen, in der jedes Gleichgewicht verloren gegangen ist. Neben solchen sozial- und konsumkritischen Werken sind in der Ausstellung auch positive Arbeiten zu sehen. Blanka Pfundsteins Naturbilder zum Beispiel, in Jugenheim zeigt sie einen zarten Schmetterlingsflug in weichen Pastelltönen. Auch Dörte Hartmann entdeckt die Schönheit der Welt im Zusammenspiel von Farben und Stimmungen in der Ästhetik des Augenblicks („Weites Land“).

Weitere beteiligte Künstler sind Eva Riecke, Saskia Grudzenski-Theis, Adelheid Koldau, Eva Huxton, Annette Deutsch, Andreas Becker, Helmut Tischer und Jörg Höfle.