Faire Freude ist doppelte Freude
500 Nikoläuse während der traditionellen Nikolaus-Aktion im Schuldorf verteilt – Dieses Jahr nur aus Fair-Trade Schokolade
SEEHEIM-JUGENHEIM, Januar 2014 (some), „Poch, poch!“ Am 6. Dezember klopft es an der Klassenzimmertür des Schuldorfs Bergstraße. „Herein!“, sagt die Lehrerin in die gespannte Stille. Und herein kommt ein Sankt Nikolaus in altehrwürdiger Tracht gefolgt von seinen beflügelten Engelshelfern.
Über die Nikolaus-Aktion der Schülervertretung haben drei Schülerinnen und zwei Schüler aus der Klasse von Mitschülern jeweils einen Schokoladen-Nikolaus gesendet bekommen. Bevor sie jedoch das süße Geschenk erhalten, müssen sie noch eine vom Entsender gestellte Aufgabe lösen, etwa eine knifflige Kopfrechenaufgabe oder etwas bewegter: „Tanze eine Runde auf dem Lehrerpult und ende mit einer tiefen Verbeugung vor der Klasse.“ Erst dann gibt es hoch verdient einen Nikolaus aus Schokolade. Und der ist dieses Jahr komplett Fair-Trade!
An sich ist die Nikolaus-Aktion am Schuldorf gar nicht so besonders, eher eine Tradition. Jedes Jahr organisiert die Schülervertretung (SV) mehrere hundert Schokoladen-Nikoläuse, die bestellt und dann mit einem kleinen Zettel der Adressatin oder des Adressaten versehen werden. Die Aktion richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse und findet auch wegen des „Aufgaben-Stellens“ großen Anklang in der Schülerschaft. „Auch die Lehrer und die Schulleitung unterstützen die Aktion“, freuen sich die Schülervertreter.
Die Idee, dieses Jahr Fair-Trade-Nikoläuse zu bestellen, stammte von der 18-jährigen Lili Bauer, die seit diesem Schuljahr als Oberstufensprecherin und Kreisschülerratsdeligierte des Schuldorfs in der Schülervertretung tätig ist. Ihr Vorschlag war dort sofort auf Zuspruch gestoßen. „Wir haben das demokratisch entschieden, 14 Zustimmungen und eine Enthaltung“, erklärt Lili Bauer. Fair gehandelte Schokoladen-Nikoläuse hatte die SV über das Bonifatiuswerk, eine katholische Hilfsorganisation, bestellt. Im Verkaufsraum, dem sogenannten „Glaskasten“ am Schuldorf, konnte man auch Plakate zum Thema anschauen, „damit die Leute sehen, dass Fair-Trade nicht nur auf dem Papier steht“, meint Janik Thomé, der 15-jährige Mittelstufensprecher. „Es heißt immer, dass jeder gegen Kinderarbeit ist. Informieren ist das Wenigste, was man tun kann.“ Für einen Nikolaus musste man dieses Jahr trotz Fair-Trade nur 1,50 € bezahlen. „Von dem Preis wird jeweils 30ct an wohltätige Vereine gespendet“, erklärt Paul Dauscher, der sechzehn Jahre alt und nun schon im zweiten Jahr einer der Schulsprecher am Schuldorf ist. Über 500 Nikoläuse konnten sie in ihren himmlischen Kostümen in die verschiedenen Schulzweige verteilen. Besonders Lili Bauer freut sich über die große Resonanz: „Wir wollen als SV ein Zeichen setzen und hoffen, dass die Welt dadurch ein kleines bisschen fairer wird.“
Auch mit der von ihnen ausgegangenen Lichterkette gegen Rechts am 21. November diesen Jahres, an der im Anschluss an eine „Stolperstein“-Verlegung knapp 600 Leute teilnahmen, habe die SV klar Stellung bezogen, berichtet Paul Dauscher. Über die Organisation von Lichterkette und Nikolaus-Aktion ziehen die Schülervertreter zufrieden ein Fazit: „Wir haben besonders viele junge Menschen erreicht.“
