Robotertechnik und Benz Patent Motorwagen als Gastgeschenke
Heinrich Metzendorf Schule zu einem vorbereitenden Besuch an einer Berufsschule in Shanghai
BENSHEIM/SHANGHAI, Mai 2014 (meli), Zu einem vorbereitenden Besuch an der Shanghai Xiandai Vocational & Technical School in China reiste eine Delegation von drei Lehrern aus zentralen Fachbereichen zusammen mit Schulleiter Wolfgang Freudenberger in den Osterferien für sechs Tage nach Shanghai, der 23 Millionen Einwohner zählenden Metropole nahe des ostchinesischen Meeres. Die vier Pädagogen der Bergsträßer Berufsschule erwartete dort ein prallgefülltes und straff strukturiertes Programm, bei dem sie ihren neuen Schulpartner näher kennen lernen konnten und touristische Besichtigungen nur das Rahmenprogramm bildeten. Fachbereichsleiterin Evi Krumrey aus dem Bereich der Hotel- und Gastronomieausbildung, Frank Brücker, Fachbereichsleiter Kfz-Technik, und Jürgen Ende für den Bereich Elektrotechnik und Informationstechnologie waren vor allem davon überrascht, dass es trotz der großen Entfernung und der noch größeren kulturellen Verschiedenheiten im eigentlichen Unterrichtsgeschehen gar nicht so große Unterschiede zu der Bergsträßer Bildungsanstalt gibt. „Die Schule passt sehr gut zu uns“, fasste es Schulleiter Wolfgang Freudenberger in einer Gesamtkonferenz zusammen, der in dieser Schulpartnerschaft einen „Volltreffer“ sieht. Man habe sich trotz sprachlicher Barrieren auf Anhieb gut verstanden und von tollen Gastgebern ein perfekt organisiertes Programm geboten bekommen. Die Klassen sind im Theorie- und Praxisunterricht ähnlich groß, so Frank Brücker. Es wird genau wie bei uns in Deutschland gekichert und auch mal hinter dem Rücken des Lehrers geschwätzt, erzählte Evi Krumrey, die sich in China mehr Drill in den Klassen vorgestellt hätte. Leider jedoch, so betonten die Bensheimer Pädagogen einhellig, gibt es auch dort Nachwuchsprobleme und schwindende Schülerzahlen. Verstärkt durch die staatliche Beschränkung auf ein Kind pro Familie, besteht noch mehr als bei uns der Wunsch nach einer universitären Bildung und einer besonderen Karriere statt einer Berufsausbildung für den einzigen Spross der Familie. Jürgen Ende, als Abteilungsleiter auch Mitglied der Metzendorf Schulleitung, war beeindruckt von den finanziellen Ressourcen der Schule. Die Shanghai Vocational &Technical School verteilt sich mit ihren 2200 Schülern auf insgesamt vier große Schulstandorte in der Stadt. Somit stehen viel mehr Unterichträume zur Verfügung als in Bensheim, die noch durch großzügige Außengelände und Sportanlagen ergänzt werden. Wenn bei uns Robotertechnik programmiert wird, muss man das auf dem Flur der Schule ausprobieren, bei der neuen Partnerschule gibt es nur für solche praktischen Studien extra Räume, schwärmt Jürgen Ende. Lernboxen für Netzwerktechnik, dort zahlreich vorhanden, stehen für den Elektrotechniker aus Bensheim noch auf der Wunschliste. Auch die Ausstattung mit Rechnern in vielen Klassenräumen, das 3D Filmstudio und das 3D Kino für den Unterrichtsbereich Medientechnik beeindruckte. Schüler, die diese Berufsschule in Shanghai besuchten, haben anschließend eine fast hundertprozentige Jobgarantie. Die Ausbildung dort genießt ein hohes Renommee und dementsprechend finden sich frühere Absolventen nicht selten wenige Jahre später in Führungspositionen. So auch der derzeitige Küchenchef eines Shanghaier 5-Sterne-Hotels, bei dem die Bergsträßer sehr zu ihrer Überraschung die erste Spargelcremesuppe der Saison serviert bekamen. Das europäische Essen dort blieb jedoch die Ausnahme während des China Besuches. Sehr exotisch für deutsche Geschmäcker war zumeist das Essen, zu dem man von den Gastgebern eingeladen wurde. „Es war immer sehr vielfältig, mit besonderem Aufwand zubereitet und durchweg sehr schmackhaft“, schwärmte Wolfgang Freudenberger, der einfach alles probierte, auch wenn ihm die Bestandteile des Essens nicht immer bekannt waren. Bei Entenzungen hörte für die Gastronomiefachfrau Evi Krumrey jedoch die Probierfreude auf. Sie verzichtete das eine oder andere Mal auf ein Probieren und freute sich eher an den optischen Besonderheiten. Dass teilweise für jeden Gast eine besondere Serviettenfalttechnik angewandt wird und man aus dieser auch noch eine Rangordnung der Tischgesellschaft erkennen kann, erstaunte sie. Überhaupt sind Rangordnungen dort gesellschaftlich sehr bedeutsam. Wenn der Präsident der Schule Herr Menyonggen durch die Klassen geht, begrüßen ihn alle Schüler voller Respekt indem sie aufstehen, erwähnte Schulleiter Freudenberger. Rankings und Leistungsvergleiche mit anderen Schulen auf regionaler und auf nationaler Ebene sind in Shanghai deutlich zahlreicher zu finden als bei uns. Neben Qualität, so die Fachpädagogen von der Bensheimer Beruflichen Schule überrascht, zählt dabei noch viel mehr die Zeit. In drei Minuten musste ein Hotelbett frisch bezogen, in 13 Minuten ein Tisch für acht Personen fachgerecht eingedeckt sein, schilderte Evi Krumrey. Bei der Fehlersuche im Kfz-Bereich riefen sich die Teams laute Kommandos zu, um noch effektiver und schneller zum Erfolg zu kommen, erzählte Frank Brücker. War dies für die Bergsträßer Pädagogen ungewohnt laut und hektisch, so waren die chinesischen Gastgeber davon überrascht, dass Schulleiter Freudenberger die individuelle Förderung als ein zentrales Ziel schulischer Arbeit an der Metzendorf Schule beschrieb. Das Individuum und dessen Förderung, so wurde in der Drachenkopf-Metropole klar, hat dort nicht den Stellenwert wie bei uns. „Auch in Methodik und Didaktik können die neuen Schulpartner noch viel von uns lernen“, meinte Wolfgang Freudenberger nach dem Besuch selbstbewusst. In einem „letter of intent between sister schools“ wurde nun von den beiden Schulleitern Mengyonggen und Freudenberger die Absicht bekundet, sich nach dem gegenseitigen Kennenlernen auf den Weg der Kooperation zu begeben. Nachdem Vertreter der chinesischen Schule im vergangenen Herbst an der Heinrich Metzendorf Schule waren und jetzt der Gegenbesuch erfolgte, sind die Grundlagen für eine abschließende Entscheidung der Schulkonferenz der Heinrich Metzendorf Schule für diese Kooperation gelegt. Nicht nur zwischen den Lehrern und den Schulleitungen will man sich in Bildungs- und Kulturbereich austauschen, es sollen vor allem auch Schüler die Möglichkeit zu einem Aufenthalt im jeweiligen Partnerland haben. „Wer einmal als Gastschüler in einem fremden Land war, wird auch beruflich offener für neue Wege sein“, so sieht Abteilungsleiter Jürgen Ende die besondere Chance einer Schulpartnerschaft mit dem fernen Shanghai. Künftigen Ingenieuren, die jetzt noch die Fachoberschule in Bensheim besuchen, könnte sich dort durchaus eine Jobperspektive bieten. Schon jetzt haben große Bensheimer Firmen dort eine Dependance, was zeigt, das im Rahmen der Globalisierung eine solche Schulpartnerschaftauch trotz großer Entfernung interessant ist. Im nächsten Jahr ist ein Gegenbesuch der chinesischen Partner in Bensheim geplant. Bis dorthin bleibt man über das Internet im Gespräch. Vor allem deutsche Automobiltechnik beeindruckte die chinesischen Partner sehr. Daher freute man sich neben dem Legobaukasten mit Robotertechnik als Gastgeschenk der Metzendorf Delegation besonders über ein Modell des Benz Patent Motorwagens von 1886.
