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Stefan Metka ist der letzte der deutschen „Gründergeneration“ des Armwrestlings. Foto: Paul Wicht
21. Dezember 2022 

Der letzte Mohikaner wird WM-Fünfter

Der Hähnleiner Stefan Metka gehört seit Jahren zur Weltspitze im Armwrestling

ALSBACH-HÄHNLEIN, Dezember 2022 (erh), Es war knapp für Stefan Metka. Nur ein Sieg fehlte ihm, um den Sprung in die Finalrunde zu schaffen. Statt der ersehnten Medaille landete der Hähnleiner Anfang Oktober bei den Armwrestling-Weltmeisterschaften im französischen Dieppe auf dem fünften Rang in seiner Alters- (bis 60 Jahre) und Gewichtsklasse (95 bis 105 Kilogramm). „Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal“, will der 56-Jährige weitere Anläufe unternehmen und endlich mal ganz oben landen bei einer Weltmeisterschaft.

WM-Bronze (1999) und -Silber (2000) hat der vielfache Deutsche Meister bereits in seinem Trophäenschrank hängen. Gold fehlt bislang in der Sammlung. „Ich gebe nicht auf.“ Da Metka für Veranstaltungen beider Armwrestling-Weltverbände startberechtigt ist, dürfte er in den nächsten Jahren einige Gelegenheiten dazu bekommen, den WM-Titel oder eine weitere Medaille zu holen. Ans Aufhören denkt er jedenfalls nicht.

„Solange der Körper mitspielt, mache ich weiter.“ Stefan Metka ist der letzte der deutschen „Gründergeneration“ der Sportart. Als einziger Teilnehmer an der ersten Deutschen Meisterschaft 1988 ist er heute noch aktiv im Wettkampfsport. „Ich bin der letzte Mohikaner“, schmunzelt er. Neben seinen sportlichen Qualitäten ist Metka bekannt für seinen Ur-Schrei am Tisch. Den lässt er jedoch nur bei Siegen los. „Die ganze Energie und Anspannung muss raus.“ Aktuell fühlt sich der 1,83 Meter große Athlet topfit. Er bringt 105 Kilogramm auf die Waage und reizt damit das Limit seiner Gewichtsklasse aus. Die nötige Power in den Armen für die Weltspitze hat er von Berufswegen. „Als Schlosser braucht man Armkraft.“ Sein stärkerer Arm ist der rechte, deswegen startet er in der Klasse der sogenannten „Rechtsdrücker“.

Allerdings ist im Armwrestling die Armkraft nicht das entscheidende Kriterium. „Man setzt sein ganzes Körpergewicht ein. Der Arm ist das Werkzeug, das die Kraft überträgt.“ Entsprechend ist die gesamte Rumpfmuskulatur vom Rücken bis zu den Oberschenkeln gefordert. Armwrestling ist eine äußerst dynamische Angelegenheit ohne große Taktik. Es gilt das Poker-Motto „All-In“. Sobald das Duell eröffnet ist, wird die maximale Kraft eingesetzt. „Man legt sofort alles rein, was man hat.“ Die Zweikämpfe an den Stehtischen, die mit einem Halteknauf für den inaktiven Arm versehen sind, dauern nur „Bruchteile von Sekunden“, erklärt Metka.

Wie sein Wettkampfplan im nächsten Jahr aussehen wird, hat er noch nicht entschieden. Ein Start bei der WM ist geplant, hängt aber auch vom Austragungsort ab. Hobby-Sportler wie Stefan Metka, der für den Verein „Over the Top“ Hanau antritt, stemmen mit Ausnahme der Startgebühren alle Kosten selbst. Unter anderem in Japan und in den USA war Metka schon bei Armwrestling-Turnieren unterwegs. Für die Weltmeisterschaften 2023 ist unter anderem Malaysia im Gespräch. Endgültig festlegen will er sich erst, wenn in der Frage des WM-Ortes Klarheit herrscht.
Seine zweite sportliche Leidenschaft übt Stefan Metka übrigens ebenfalls am Tisch aus: Er spielt Tischtennis in der zweiten Mannschaft des TTF Hähnlein.