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Rund 90 Pokale für seine Erfolge im Armwrestling nennt der Hähnleiner Stefan Metka inzwischen sein Eigen. Foto: soe
03. Juni 2022 

Ein Urgestein der Szene

Stefan Metka aus Hähnlein ist Deutscher Meister im Armwrestling

ALSBACH-HÄHNLEIN (tt), Armdrücken: das kennen einige von früher aus der Schule oder aus der Kneipe. Aber das Duell der Muskeln ist nicht nur eine kleine Kraftprobe für die Freizeit. Als professionelle Sportart heißt das Armwrestling. Im März fanden in Pirmasens die Deutschen Meisterschaften statt. In seiner Altersklasse hat Stefan Metka den Titel geholt. Der Mann mit den eindrucksvollen Oberarmen stammt aus Hähnlein und gehört seit langem zu den bekannten Urgesteinen der Szene. Sein Kampfschrei gilt als legendär. Ähnlich wie beim Boxen treten die Athleten in Gewichtsklassen an. Metka bringt über 100 Kilogramm auf die Waage. Mit seinen 56 Jahren tritt er in der Klasse Grandmasters Männer Ü50 an.

Mehrere Stunden Anreise und zehn Sekunden Kampfzeit – das ist nicht ungewöhnlich, so der Hähnleiner über die Charakteristik der Sportart. Denn der eigentliche Fight ist fast immer schnell vorbei. Neben Kraft und Ausdauer ist auch Schnelligkeit gefragt. Nach dem Kommando „Ready-Go!“ kommt es darauf an, dass Körper und Rumpf im richtigen Verhältnis zum Gegner platziert sind und die Power von Unterarm und Hand mit maximaler Effektivität zum Einsatz kommen. Weitere Faktoren sind ein starker Bizeps sowie eine trainierte Schulter- und Brustmuskulatur und nicht zuletzt eine gute Stabilität im Bauch- und Hüftbereich. „Die Sportart ist weitaus komplexer als viele meinen“, betont Stefan Metka, der seit 1988 auf Wettkampfebene mitmischt. Anfangs für den 1. AV Griesheim. Heute tritt er für den Armwrestling-Club „Over the top“ 1990 Hanau an. Der Name verweist auf einen Kinofilm, der die Sportart schlagartig bekannt gemacht hatte.

Das war 1987, praktisch zeitgleich mit Metkas Karrierestart. Damals spielte Sylvester Stallone einen Trucker, der sich mit Armdrücken etwas dazu verdient und am Ende Weltmeister wird. Der Titel des Films bezieht sich auf eine bestimmte Technik des Sports, bei der man sich einen Vorteil gegenüber dem Gegner verschafft. Da die zu diesem Zeitpunkt in Las Vegas ausgerichtete Weltmeisterschaft der Arm-wrestler eine fundamentale Rolle im Film spielen sollte, veranstaltete der Amerikanische Verband mit Unterstützung der Filmgesellschaft eine inoffizielle Deutsche Meisterschaft in München. Ein entscheidender Schritt für die Popularität des Sports. Hessen war eine der ersten Bühnen in Deutschland, weil Armwrestling hier früh einen offiziellen Wettkampfcharakter genossen hat.

Der Insider erklärt: Beim professionellen Armdrücken handelt es sich um einen dynamischen Kampf zweier Kontrahenten, der durch Maximalkraft, Technik, Schnelligkeit, Bewegungsgefühl und sportliche Aggressivität entschieden wird. Diese Aggressivität ist aber keinesfalls gegen das Gegenüber gerichtet, sondern dient ausschließlich dazu, die im Regelspektrum zulässige Bewegungsfreiheit mit möglichst kraftvollen und schnellen Aktionen optimal zu nutzen.
Nicht nur in Deutschland begeistert Stefan Metka mit seinem markerschütternden Markenzeichen die Fans. „Daraus schöpfe ich Kraft“, kommentiert er seinen martialischen Urschrei. Seit seinen ersten Duellen ist er aus der nationalen Spitzengruppe nicht mehr wegzudenken. Viele Male war er Deutscher Meister und nach dem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft des Jahres 1999 in Japan hatte er ein als Vize-Weltmeister des Jahres 2000 in Finnland seinen sportlichen Höhepunkt erreicht. Kaum ein internationales Turnier, an dem er nicht teilgenommen hat. Die Zahl seiner Erfolge lässt sich kaum noch dokumentieren.

Gekämpft wird im Stehen. An einem gut ein Meter hohen Tisch, was im Gegensatz zum Armdrücken im Sitzen eine wesentlich größere Dynamik zulässt. Links und rechts befindet sich je ein Haltegriff, der mit der inaktiven Hand ergriffen werden muss und der während des Kampfes auch nicht mehr losgelassen werden darf. Die Ellenbogen des kämpfenden Arms werden im sogenannten Ellenbogenpolster positioniert. Sieger ist, wer den Gegner mit dem Handrücken ins Polster zwingt. Zwei Schiedsrichter haben den Kampf genau im Blick. Wer zwei Mal verliert, scheidet aus. „Länger als zwei, drei Sekunden dauert das selten“, so Metka, der nach wie vor von dieser Sportart fasziniert ist. Seit 2008 besteht eine eigene Bundesliga in Deutschland. Der Hähnleiner gehört auch hier zu den Konstanten.

Vor einem Kampf fährt er sich mental so gut es geht herunter, fokussiert seine Konzentration und richtet die komplette Körperspannung und Energie auf den kurzen Moment, in dem alles entschieden wird. Als ausgebildeter Schlosser verfügt er naturgemäß über ein gewisses Maß an Armkraft, sagt er. „Das Handwerk hat mir im Sport viel geholfen.“ Er spricht von einem kompletten Sport, der Körper und Geist beansprucht, weil Konzentration, Ausdauer, Explosivität und Taktik gleichermaßen gefragt sind.

Weil er an den Europameisterschaften aufgrund einer Verletzung nicht teilnehmen kann, hat Stefan Metka nun die WM im Herbst im Blick. Die findet wahrscheinlich in der Türkei statt. Dort hat die Sportart ein ganz anderes Standing als hierzulande. Auch in einigen Ländern Osteuropas und Asiens wird Armwrestling teilweise staatlich gefördert. Es gibt Stipendien für Nachwuchssportler, die Wettkämpfe werden im Fernsehen übertragen. Davon kann die deutsche Szene nur träumen. Auch das Interesse von Sponsoren halte sich sehr in Grenzen, so Metka, der seine Wettkampfreisen selbst finanzieren muss. Das geht ins Geld. Doch die entscheidenden Sekunden beim Fight Mann gegen Mann seien es wert. Beweisen muss der Hähnleiner allerdings nichts mehr. Seinen Platz in der Hall of Fame des Armwrestlings nimmt ihm keiner mehr.