Forum am Rathaus: Jetzt kommt Leben in die neue Mitte
Einweihung und offizielle Verschwisterungszeremonie mit der bulgarischen Kommune Karlowo
SEEHEIM-JUGENHEIM, März 2026 (tt), Die Eröffnung des neuen Forums am Seeheimer Rathaus hat fast so lange gedauert wie dessen Bauzeit – so ulkte der ein oder die andere nach dem Ende der Feierlichkeiten am 16. Januar. Zum Finale des größten Bauprojekts der letzten 50 Jahre wurde gesungen und getanzt.
Die Freude war groß über die erfolgreiche Entwicklung der „neuen Mitte“, wie Bürgermeisterin Birgit Kannegießer den zentralen Platz im Herzen Seeheims in großstädtischem Vokabular adelt. Es hat aber auch lange genug gedauert: acht Jahre und viele Diskussionen nach der Schließung der durch einen Wasserschaden maroden Sport- und Kulturhalle war ein modernes Gebäudeensemble mit Kapazitäten für Sport, Kultur und Gesellschaft inklusive Mediathek und Verwaltungstrakt fertig gestellt. Von der Idee bis zur Einweihung sind gut sechs Jahre vergangen.
Drei Bürgermeister haben den statischen City-Marathon begleitet: bereits Olaf Kühn und Alexander Kreissl mussten sich mit dem Langzeitprojekt herumschlagen. Nach mühsamen Planungsrunden, inhaltlichen Änderungen und einer intensiven politischen Entscheidungsfindung hatten mit dem ersten Spatenstich im Juli 2022 die sichtbaren Arbeiten am neuen Forum mit dem Rückbau des alten Baukörpers begonnen.
Im Februar 2023 fand die öffentliche Grundsteinlegung statt für einen, so hieß es damals, neuen Ort des Austauschs und des gesellschaftlichen Miteinanders. Die Abrissarbeiten erfolgten im angesetzten Zeit- und Kostenrahmen. Im September wurde Richtfest gefeiert. Im November sollte eröffnet werden. Die letzte von mehreren Verzögerungen hat den Termin „nur“ um zwei Monate aus der Bahn geworfen. Immerhin konnten vorab schon die Verwaltungsmitarbeiter in die 39 neuen Büros umziehen, die Sportler mussten bis Anfang Februar auf die Fertigstellung der neuen Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten warten.
Die Baukostenobergrenze von 17 Millionen Euro konnte nicht eingehalten werden. Das Investitionsvolumen wurde auf 24,8 Millionen Euro aufgestockt. Bei der Eröffnung teilte die Rathauschefin mit, dass man am Ende eine runde Million darunter liege.
75 Firmen waren am Bau beteiligt. Fünf Behörden waren eingebunden, zwei Förderbescheide flatterten ins Rathaus. 40.600 Euro hatten Bund und Land im Rahmen der Infrastrukturförderung für die Errichtung von Fahrradabstellanlagen spendiert. 30 Ingenieure und Sachverständige gingen auf der Baustelle ein und aus. Es hat so lange gedauert, dass Anlieger manche Handwerker und Planer schon persönlich kannten. Ein monumentales Projekt, das hundert Jahre halten soll, so Birgit Kannegießer vor zahlreichen Gästen – obwohl viele Reihen blieben aber leer. Offenbar hatte man mit mehr Zulauf gerechnet. Die bisherigen Rückmeldungen der Bürger, so Kannegießer, seien überwiegend positiv ausgefallen.
Das Forum selbst ist durchaus vorzeigbar. Das Ensemble ist durch ein gemeinsames Foyer verbunden, multifunktional gestaltet und bietet Nutzungsvielfalt in einer „dörflichen“ Anordnung, die sich durch einen neu entstehenden Dreiseitenhof recht gut in die Umgebung einfüge, so Andreas Janouschkowetz vom zuständigen Architekturbüro in Darmstadt. Die Bauform mit den Satteldächern – Neigung 32 Grad – nehme den Bestand im alten Ortskern auf. Die Gesamtfläche beträgt 4111 Quadratmeter. Darauf spielen sich künftig Kultur und Verwaltung, Vereinsleben und Sport ab. Der Bürochef verschwieg nicht die „unzähligen Stolpersteine“, mit denen man es unterwegs zu tun bekommen habe: darunter die Pandemie, Lieferverzögerungen und Preissteigerungen.
Man habe hier einen neuen Ort des Austauschs und des gesellschaftlichen Miteinanders, so die Bürgermeisterin zu Beginn eines längeren Programms, das von Verwaltungsmitarbeiter und Gemeindebrandinspektor Stefan Katzer moderiert wurde. Die anfangs massiven Tonprobleme waren nicht gerade Werbung für den auch technisch aufwändigen Neubau. Sie wurden aber behoben. Suse Bruer, Vorsitzende der Gemeindevertretung, verwies auf die politischen Reibereien im Verlauf des Bauprozesses. In den örtlichen Fraktionen gab es wenig Konsens und viele Meinungen zu dem Millionenkomplex. „So ist Demokratie“, sagte die Parlamentschefin und appellierte an alle Seeheimer, jetzt nicht mehr zurück, sondern lieber nach vorn zu schauen. Das Forum sei ein Herzstück der kommunalen Daseinsvorsorg. So nennt man es, wenn eine Stadt oder Gemeinde Maßnahmen unternimmt, um ihren Einwohnern eine Grundversorgung zu gewährleisten. Dazu gehören auch Hallen und Veranstaltungsräume.
Eingebunden in den Festakt war die offizielle Verschwisterungszeremonie zur Partnerschaft mit der bulgarischen Kommune Karlowo. Die Freundschaft besteht bereits seit einigen Jahren. Nun gelte es, die neue Partnerschaft mit Leben zu füllen, betonte Birgit Kannegießer, die auch ihren Amtskollegen Emil Kabaivanov sowie den bulgarischen Botschafter Grigor Kalinov Porozhanov und Sigrun Comati begrüßte.
Comati ist Vizepräsidentin der deutsch-bulgarischen Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien und hatte 2022 eine Ausstellung auf Schloss Heiligenberg besucht. So kamen die Kontakte ins Rollen. Karlowo hat rund 28.000 Einwohner und ist jetzt eine von neun Partnergemeinden Seeheims in Europa.
Musikalisch umrahmt wurde der Abend von der Trommelgruppe „Dragon Drums“, dem Chor „Stimmbar“, dem Bläserensemble „Brasso con toni“ und der Sängerin Nora Lessenich.
