Internationales Musikfeuerwerk begeisterte in Bensheim
BENSHEIM, Dezember 2025 (fk), Als sich am Samstag (29.11.) die Türen der Bensheimer Weststadthalle öffneten, war sofort spürbar, dass das sechste Bickenbacher Tattoo mehr sein würde als ein gewöhnlicher Konzertabend. Über der Bühne wehten die Fahnen aus fünf Ländern, Musikerinnen und Musiker in Uniformen, Trachten, Schottenröcken und Federhüten füllten die Gänge, und ein Stimmengewirr aus verschiedenen Sprachen machte die internationale Ausrichtung schon vor Beginn sichtbar.
Mehr als 300 Beteiligte hatten sich an diesem Tag für zwei aufeinanderfolgende Shows versammelt – ein logistisches Großprojekt, koordiniert rund um das Musikcorps Bickenbach, das erneut Gastgeber einer Musikschau war, die traditionelle Marschmusik, moderne Arrangements und choreografische Elemente vereinte. Moderator Florian Adam-Neumann begrüßte das Publikum und führte durch ein Programm, das regionale Vertreter ebenso wie internationale Formationen zusammenbrachte.
Unter den Gästen befand sich auch die hessische Ministerin Heike Hofmann, die einen Scheck über 5000 Euro für die „hervorragende Jugendarbeit“, unter anderem in der Schule in Alsbach-Hähnlein, und an das MCB übergab. Den musikalischen Auftakt gestalteten anschließend die Massed Pipes & Drums, bestehend aus mehreren Dudelsack- und Trommlergruppen: den Hohenlohe Pipes & Drums, den Clan Pipers Frankfurt und den United Highland Pipes and Drums. Gemeinsam erzeugten sie den typischen, voll klingenden Sound, der durch die Kombination mehrerer Pipes & Drums-Ensembles entstand. Ihr Marsch durch die Halle kennzeichnete den traditionellen Beginn eines Tattoos, bei dem die rhythmische Präzision der Trommler und die kontinuierlichen Bordune der Dudelsäcke ineinandergreifen.
Ihr späterer zweiter Auftritt mit „Amazing Grace“ sowie dem Solo des Lonely Piper betonte den kulturellen Hintergrund dieser Formation, die weltweit bei militärischen und zeremoniellen Veranstaltungen präsent ist. Aus Belgien kam das Royal Fasam Orchestra, das als moderne Marching- und Showband auftritt. Auffällig waren ihre Uniformen mit hochgeschnittenen Hosen und kurzen Oberteilen, ergänzt durch beleuchtete Trommeln, die im leicht abgedunkelten Hallenlicht klare Akzente setzten. Musikalisch bewegten sie sich zwischen populären Rock- und Popsongs, darunter „I Love Rock ’n’ Roll“ und Titel von Coldplay. Charakteristisch für diese Formation ist die aufwendige Kombination aus schnellen Marschchoreografien und rhythmisch anspruchsvollen Schlagzeugpassagen.
Häufige Tempowechsel und dynamische Übergänge sorgten dafür, dass das Programm stetig in Bewegung blieb. Der Musikverein Lingenau aus Österreich steht für eine Verbindung von Tradition und modernem Blasmusikverständnis. Die Mitglieder traten in Tracht auf, und die typischen blauen Kniestrümpfe gelten als Markenzeichen der Gruppe. Mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren und einem 14-jährigen Tenorhornspieler in ihren Reihen zeigte die Formation, wie Nachwuchsarbeit und Traditionspflege miteinander verbunden werden können. Musikalisch präsentierten sie mehrere Märsche in rascher Abfolge und wechselten zwischen klassischen alpenländischen Melodien und modernen Arrangements wie „Let’s Get Loud“ von Jennifer Lopez. Ihr Repertoire spiegelte sowohl die Wurzeln der österreichischen Blasmusik als auch deren Weiterentwicklung wider.
Die Fanfare Bersaglieri di Lonate Pozzolo aus Italien zeigte anschließend eine Formation, die innerhalb der Tattoo-Szene vor allem durch ihren Auftrittsstil auffällt. Bersaglieri werden traditionell in hoher Geschwindigkeit dargestellt – ein Element, das die Gruppe auch auf der Bühne umsetzte. Mit den typischen schwarzen Federhüten liefen die Musiker im zügigen Tempo spielend über die Bühne, was die hohen konditionellen Fähigkeiten der Gruppe unter Beweis stellte. Italienische Flaggen an den Instrumenten verdeutlichten die Herkunft, und rhythmische Fanfarenläufe bildeten die Grundlage ihres Beitrags. Ein Trompetensolo eines 18-jährigen Musikers war zudem einer der musikalischen Höhepunkte. Die Gruppe setzte stark auf eine Wechselwirkung mit dem Publikum, unterstützt durch Zwischenrufe und Publikumsfragen des Moderators.
Als der Moderator nach ihrem Auftritt ins Publikum fragte: „Hat euch die Show bisher gefallen?“ antwortete das Publikum mit stehenden Ovationen und lautem Applaus. Die niederländische Christelijke Muziek- en Showband Juliana Amersfoort eröffnete anschließend die zweite Hälfte des Programms. Die Band ist bekannt für ihre großen Formationen, ihre instrumentale Vielfalt und ihre Shows, die visuelle und musikalische Konzepte verbinden. In ihrem Programm stellten sie die vier Elemente – Erde, Wasser, Feuer, Luft – dar, unterstützt durch passende Bewegungsmuster und musikalische Themen. Der musikalische Aufbau war dabei in mehrere Abschnitte gegliedert, die die jeweiligen Elemente charakterisierten und so einen erzählerischen Rahmen bildeten. Das Musikcorps Bickenbach selbst präsentierte ein Repertoire aus bekannten internationalen und deutschen Titeln. Dazu gehörten unter anderem „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, „The Sound of Silence“, „99 Luftballons“ und „Rolling on a River“. Die Stücke wurden mit choreografischen Formationen verbunden, die unter der Leitung von Band-Leader Manfred Hofmann einstudiert worden waren.
Charakteristisch für das MCB ist die Verbindung aus Musik und Bewegungsabläufen, die bei ihrer eigenen Musikschau eine zentrale Rolle spielt. Im abschließenden Finale versammelten sich alle Musikerinnen und Musiker in der Halle. Die gemeinsame Schlussformation fasste die internationale Zusammenarbeit des Abends feierlich zusammen und wurde erneut mit stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus gewürdigt.
