Bensheim, Schul-News

Schüler und Lehrer vor dem Bundestag.
13. Februar 2014 

Politik auch mal selbst machen

Schüler der Metzendorf Schule schlüpfen spielerisch in die Rolle von Bundespolitikern

BENSHEIM/BERLIN, Februar 2014 (meli), In Freiheit leben zu können, das ist das höchste Gut und Demokratie ist der Garant für diese Freiheit. Das lernte die Schüler der Heinrich Metzendorf Schule bei einer fünftägigen Studienfahrt in Berlin.

Mit vier Klassen ging es dafür in der vergangenen Woche per Bus in die Bundeshauptstadt. Während es den Schülern im theoretischen Politikunterricht nicht immer leicht fällt, sich politische Zusammenhänge vorstellen zu können, wurde dies durch den Plan der Studienfahrt mit „Lernen an einem anderen Ort“ zu einem vollen Erfolg. Die insgesamt 34 teilnehmenden Mädchen und Jungen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren erlebten vor Ort zusammen mit ihren Betreuern Politik zum Anfassen. Zwei Schwerpunkte des Wochenprogramms zeigten hier besondere Wirkung. Dies war zum einen der Besuch im Bundesrat. Dort wurde in einem Rollenspiel nachvollzogen, wie unser föderalistisches System funktioniert.

Am schülernahen Beispiel eines Gesetzesentwurfs zum fiktiven Thema „Führerschein mit 16 Jahren“ schlüpfte man in die Rolle der Ländervertreter und diskutierte engagagiert. Dass es dabei nicht nur zum einem einfachen und weniger reflektierten Ja aus Sicht der Schüler kam, die natürlich möglichst früh die Fahrlizenz in der Tasche haben wollen, verhinderte ein Referent des Bundestages. Er half bei den Gruppenvorgesprächen ein wenig auf die gedanklichen Sprünge, indem er Länderinteressen soufflierte und plötzlich einen weitaus größeren Blickwinkel auf das Thema möglich machte. Überhaupt die Gebäude betreten und besichtigen zu dürfen, die auch von den realen Machern bundesdeutscher Politik benutzt werden, erstaunten vor allem die Migranten unter den Metzendorf Schülern. In ihren Ländern sind das vollkommen abgeschottete, intransparent Bereiche, die der normale Bürger nie zu Gesicht bekommt. Politik in Deutschland entsteht durch einen pluralistischen Meinungsbildungsprozess, in den viele Menschen eingebunden sind, so erlebten es die Schüler selbst im Rollenspiel.

Ein Besuch in der hessischen Landesregierung und im Bundestag ergänzte diese positive Wahrnehmung des politischen Systems in Deutschland. Dass das nicht immer so war, lernten die Schüler durch den Besuch von Hohen Schönhausen. Das frühere Gefängnis der DDR, in dem Inhaftierte jeglicher Rechte beraubt waren, zeigte drastisch die Schattenseite deutscher Geschichte. Die Führung durch einen ehemaligen Insassen dieses Sinnbildes eines Willkürstaates, schockierte die Schüler. Einzelne Migranten, die ähnlichen Erfahrungen vor noch nicht all zu langer Zeit selbst in ihren Heimatländern ausgesetzt waren, war das unerträglich. Sie mussten sogar die Führung abbrechen. Für die anderen war auch dies ein nachhaltiger Lernerfolg: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, man muss dankbar dafür sein, in ihr leben zu können, so brachte es eine 16 jährige Schülerin nach dem Besuch von Hohen Schönhausen zum Ausdruck.

Betreut von ihren Lehrern Rolf Doerr, Ludwig Ebner und Thomas Weber sowie dem Abteilungsleiter Jürgen Ende und der Sozialpädagogin Ayla Karaoglu blieben die Schüler der drei EIBE Klassen (Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt) und einer BZB Klasse (Bildungsgang zur Berufsvorbereitung) mit ihren Eindrücken nicht allein. Im Hostel gab es viel Zeit, um über das Erfahrene zu sprechen .Besonders die sozialpädagogische Betreuung der EIBE Klassen, wesentlich finanziert durch den Europäischen Sozialfonds, sorgt nicht nur im regulären Unterricht, sondern auch bei einer solche Studienfahrt für eine konstruktive Lernatmosphäre und nachhaltigen Lernerfolg. Die Schüler fühlten sich in Berlin gut begleitet und wurden immer sicherer in ihrer Kompetenzwahrnehmung. Bei selbständigen Erkundungen der Stadt zeigten sie sich dabei zunehmend souveräner. Auf dem gemeinsamen Weg ins Varieté Chamäleon als Teil des Unterhaltungsprogrammes, konnten sie ihren Betreuern nach zwei Tagen in der Stadt sogar schon den Weg zu den Hackeschen Höfen zeigen und sich als kleine Großstadtprofis präsentieren.