Potpourri der Sinne mit Primeur und Piaf
Die Auerbacher Weingalerie Spundloch zelebrierte französisches Flair mit neuem Wein zum Liederabend mit der Sängerin Uta Proschka
AUERBACH, Januar 2014 (pem), Sinneserlebnisse vermitteln, ist die Leidenschaft von Brigitte Zimmermann-Petrulat, die sie zur Geschäftsphilosophie für ihre „Weingalerie“ erhoben hat. „Ich möchte die Menschen spüren lassen, dass sie fünf Sinne besitzen. Wir verarmen in unserer modernen Wahrnehmungswelt, in dem wir uns auf Optik und Akustik reduzieren“, mahnt die Galeristin. Mit einer Weinprobe möchte sie die Teilnehmer in eine Schule der Empfindsamkeit schicken, denn je differenzierter und achtsamer ein Mensch fühlt, desto mehr Genussquellen erschließt er sich. Bei der Verkostung lernt man zunächst, dass eigentlich die Nase schmeckt.
Die Nervenzentren im Mund unterscheiden nur grob in süß-salzig-sauer-bitter. Das nuancenreiche Aroma entfaltet sich unserem sinnlichen Erleben durch das Riechorgan aus dem Bouquet – wir erleben den „Geist des Weines“ noch bevor er die Zunge netzt! Dem Kenner steckt in dieser Jahreszeit natürlich der junge neu Wein, der Erstling, der Primeur in der Nase.
Da die Bergsträßer Winzer kein Händchen für den Beaujolais-Anbau entwickeln konnten, stellten sie den Versuch wieder ein und die Gastgeberin greift auf bewährte französische Sorten zurück.
Zur Einstimmung auf den „Belle Musique-Abend“ reichte sie einen Merlot und einen weiteren Roten neben einem Weißen, der einem dem Gewürztraminer ähnlichen Rebsorte entstammte. Warmer, rassiger Beerenton, fruchtig-süffige Milde und schlanke, grüne Frische standen zur Auswahl. Kleine Snacks der Saison, eine stilvoller Käseteller, Wildpastete oder Gänseschmalzbrot halfen eine Grundlage schaffen. Ließ man die Blicke über die Wände des urigen Gewölbekellerraumes schweifen, konnte man dem kulinarischen Wohlergehen noch das ästhetische Vergnügen beifügen.
Der Seeheimer Künstler Herbert Rauh setzt sich in expressiv-impulsiver Gestaltungsweise mit Richard Wagner als dem „revolutionären Wolf im großbürgerlichen Schafspelz“ auseinander. So kann man sich bereits ein wenig einlassen auf das Schweben zwischen zwei Gefühlsebenen: ruhiger Harmonie, glatter geschmeidige Oberfläche und darunter die aufbegehrende, unbändige Vitalität.
Damit langt man schon bei der „Belle Musique“ des Abends an. Uta Proschka scheint vielen schon bekannt, doch sie breitet mit ihrer stets samtig schmiegsamen Stimme zu viele Facetten einer Frau aus, um das sagen zu können. In ihrer Moderation machte sie gerne das Spiel zwischen der „Schönen und dem Biest“ im Wesen der Weiblichkeit zum Thema. Uta Proschka – sie ist nicht die klassische Chansonnier im kleinen Schwarzen, obwohl ihre Interpretation unsterblicher Piaftitel einen elegisch-nostalgischen Reiz bekamen. Ihre frühen musikalischen Tändelein in Rock-Bands blieben im Hintergrund doch aufgehoben. In frecher Koketterie wie bei dem aktuellen Ohrwurm „Je veux“oder ihrer Version von Patricia Kaas Liedern, bricht sich die Wildheit wieder ihren Bahn.
Der Kontakt zu einer Galaband brachte ihr eine Stilwende und bahnte den Weg auf die Bühne, die sie seit dem 30. Lebensjahr treu blieb. Nicht ohne sich weiter zu entwickeln. Sie brachte auch zwei selbst verfasste Lieder zu Gehör, die ihre philosophsch-balladeske Seite zeigten. Der „Layed-back-chillige-Lounge-Swing“ liegt ihrer Schmeichelstimme am meisten, so dass der Abend den Akzent auf entspannende Musik legte.
Bekannte Titel einmal „weichgespült“ zu genießen, war ein wunderbares Erlebnis. Ihrem Abschiedslied möchte man sich mit allen Sinnen anschließen – was könnte man anderes sagen, als aus vollen Herzen der Begeisterung „Thank you for the music!“
