Schul-“Dorf“? – Wissensmetropole im globalen Geist
Der Tag der offenen Tür am Schuldorf Bergstraße vermittelte mit Vorführungen lebendige Einblicke in die innovativen Lehr- und Lernpraktiken sowie das breite Aktivitätsangebot
SEEHEIM (pem), Den „Nürnberger Trichter“, den man ansetzt um einfach Wissen einzufüllen, erwartet niemand von einer Schule. Längst ist der Frontalunterricht interaktiven und kommunikativeren Formen gewichen, die die Schüler Kompetenzen stärken. Eine gute Stunde hinterlässt neugierige Schüler, deren Interesse so angeregt ist, dass sie die Erweiterung der Kenntnisse zu ihrer Sache machen.
Die Vermittlung von Strategien des Wissenserwerbs bildet einen Schwerpunkt. Damit bindet die Schule bereits im frühen Alter alle in den unausweichlichen Prozess des „life-long-learning“ ein. Den pädagogischen Auftrag kann die Schule nicht alleine erfüllen: die gut vernetzte Kooperation zwischen der Institution, dem Elternhaus und der sozial relevanten Umgebung – wie Vereine oder Glaubensgemeinschaften, aber auch potenziellen Ausbildungsbetrieben und Studieneinrichtungen – gewährt eine umfassende Bildung und Förderung der Persönlichkeitsentfaltung. Mit zahlreichen Initiativen außerhalb der Lehrplanvorgaben nimmt die Schule ihre Rolle wahr bei der Sozialisation junger Menschen mitzuwirken. Freizeitangebote und Ganztagsbetreuung tragen dazu bei. Das Schuldorf folgt hier nicht nur Qualitätskriterien, sondern setzt selber Maßstäbe.
Um dieses hohe Niveau zu halten, bedarf es der Flexibilität: die im Alltag umgesetzte Philosophie dokumentiert sich in verschiedenen Zertifizierungen: Europa-, Umwelt-, Bewegungs- und Gesundheitsförderungs-Schule. Mit nicht nachlassendem Optimierungsstreben gelingt es dem Schuldorf, die Wiedervergabeüberprüfungen zu bestehen – ein Resultat des Zusammenspiels fachlicher Kompetenzen und bereichsübergreifenden Engagements des Kollegiums.
Weil die Zukunft immer schon heute beginnt, gilt es den Zeichen der Zeit mit inhaltlichen Schwerpunkten Rechnung zu tragen. Das Schuldorf fokussiert die Förderung des naturwissenschaftlichen Unterricht. „Hier wird weiterhin Geld verdient werden und es mangelt an qualifiziertem Nachwuchs“, prognostiziert Uwe Wenzel.
Das Projekt „M-In-T“ (Mathe, Informatik, Technik) schafft Abhilfe. In der 5. Klasse kann jeder seinen „PC-Führerschein“ erwerben, Informatik als Abiturfach ist möglich. Die Spielspaß-Heranführung an die Materie des Programmierens offeriert Wenzel mit der Robotik-AG: Während Teamwork, Lösungsorientierung und Kreativität mit trainiert werden, entstehen aus Legobausätzen Miniroboter. Multikulturelle und globale Orientierung hat einen besonderen Stellenwert: die International School präsentierte ihre Erziehungskonzepte von der Preeschool an.
Sprachlich Interessierten empfahl sich ebenso die Gesamtschule mit „Bili“ – die Probestunde im bilingualen (zweisprachigen) Unterricht lockte viele. Auf beste Erfahrungen blickt man mit anderen Schwerpunktklassen zurück: das Sportabitur hat sich bewährt und in der Bläser- oder Chorklasse erwirbt man sich eine zusätzliche solide musikalische Ausbildung. Von Klangvergnügen und schnellen Fortschritten überzeugten die Auftritte.
Ob Kunstausstellung oder dem spielerisch handwerklich nachempfundenen Steinzeitleben, im Geschichtsunterricht hatten sich die unterschiedlichen Jahrgangsstufen Originelles einfallen lassen, um lebendigen Lerneifer zu demonstrieren. Für das Leben lernen bedeutet soziale Kompetenzen ausbilden, zwischenmenschliche Werte pflegen. Schülergremien zur demokratischen Mitgestaltung und Einbindung in Entscheidungsprozesse stellen einen Teil davon dar. Einen praktischen Weg beschreitet man mit der Mediatorenausbildung: Schüler sorgen für Gewaltprävention, Konfliktbewältigungs- und Kommunikationskultur.
Bei individuellen Krisen und starken Belastungen unterstützt Eva Maria Loggen als Schulseelsorgerin und Familientherapeutin. Wer als Kind schon ausreichend Achtsamkeit und Würdigung erfährt, wird es leichter haben, die Welt ein wenig besser zu gestalten. Das Schuldorf bereitet den Weg.
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