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Benedikt Haug wurde bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock Dritter im Wettbewerb der U-18. Foto: soe
17. September 2021 

Schwerelos über 4,50 Meter

Benedikt Haug aus Ober-Beerbach ist erfolgreicher Stabhochspringer

OBER-BEERBACH, September 2021 (eh), Das Schönste beim Stabhochspringen? Benedikt Haug denkt kurz nach. Der Augenblick, in dem der Stab seine ganze Energie entlädt und den Sportler in die Höhe trägt. „Da fühlt man sich einige Sekunden schwerelos.“

Zwei besondere Momente dieser Schwerelosigkeit hat der 17-Jährige Schüler in diesem Sommer erlebt. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock schwebte er über 4,30 Meter und wurde Dritter im Wettbewerb der U-18, bislang sein größter Erfolg. Eine Woche später landete er bei den süddeutschen Titelkämpfen im baden-württembergischen Walldorf in seiner Altersklasse auf dem Silberrang und stellte dabei eine neue persönliche Bestleistung auf: 4,50 Meter. Zuvor hatte sein Rekord bei 4,40 Meter gelegen.

Der komplexe Bewegungsablauf beim Stabhochsprung vom Anlauf über den Absprung bis zum Überqueren der Latte bietet jede Menge Anknüpfungspunkte für Verbesserungen und somit Potential für Leistungssteigerungen. „Ich habe mich in diesem Jahr im Training auf bestimmte Dinge konzentriert. Die 4,50 Meter zeigen, dass es sich gelohnt hat“, erklärt Benedikt seinen Höhenflug.

Die Arbeit an der Technik ist ein wesentlicher Inhalt der Trainingseinheiten im Stabhochsprung. „Die technische Entwicklung ist eigentlich nie abgeschlossen, es gibt immer Details, an denen man arbeiten kann.“ Eine Art Mustertechnik existiert in der Disziplin nicht, erläutert der junge Mann.

„Jeder Stabhochspringer hat seinen individuellen Stil.“ Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle wie etwa die körperlichen Voraussetzungen des Athleten oder das Alter beim Einstieg ins intensive Stabhochsprungtraining. Benedikt Haug hat mit 9 Jahren beim TV Alsbach mit der leichtathletischen Grundausbildung begonnen. Die ersten Versuche in Sachen Stabhochsprung haben ihn auf Anhieb begeistert. „Das hat mir am besten gefallen. Ich habe gespürt: Das ist etwas für mich.“ Nach einer Zwischenstation beim TuS Griesheim wechselte er zum ASC Darmstadt, wo er unter Anleitung des renommierten Stabhochsprungtrainers Reiner Liese und seines Vaters Sepp Haug das Stabhochsprung-Training weiter forcierte.

Obschon der Fokus von Benedikt auf Stabhochsprung liegt, ist er weiterhin quasi in allen Teilbereichen der Leichtathletik unterwegs. Auf die weiterhin breite Ausbildung legt sein Vater besonderen Wert. Benedikt hat bereits einen Zehnkampf bestritten, ein weiterer soll in dieser Saison folgen. „Eigentlich habe ich gar nicht die Statur eines Zehnkämpfers.“ Mit einer Körpergröße von 1,80 Meter und einem Gewicht von 65 Kilogramm ist er eher für den Flug über die Latte in luftigen Höhen geeignet als für den Mehrkampf, findet er. Oder für die Sprintstrecke. Seine Bestzeit über 100 Meter liegt bei 11,55 Sekunden, mit der 4×100 Meter-Staffel des ASC wurde er vor einigen Jahren deutscher U-16-Jugendmeister. Schnelligkeit ist die Grundlage für einen guten Stabhochspringer. Die Anlaufgeschwindigkeit ist entscheidend für die Energie, die auf den Stab übertragen und im weiteren Bewegungsablauf wieder an den Springer abgegeben wird.

Für seinen Sport investiert der Ober-Beerbacher viel Zeit: Fünf Einheiten pro Woche beim ASC Darmstadt plus ein wöchentliches Training am Leichtathletik-Bundestützpunkt in Frankfurt-Kalbach. In den vergangenen Monaten war dieses Pensum corona-bedingt vorübergehend reduziert. Raum für Freizeitaktivitäten zwischen Schule, Benedikt macht im nächsten Jahr sein Abitur am Schuldorf Bergstraße, und Stabhochsprung bleiben ihm kaum.

Irgendwann will Benedikt Haug die 5 Meter mit dem Stab überqueren. „Das wäre ein Traum.“ Dafür will er weiterhin hart an seiner Technik arbeiten. Luft nach oben hat er unter anderem bei der Bildung des sogenannten Dachs, der Körperhaltung bei der bäuchlings erfolgenden Lattenüberquerung. „Da ist mein Körper noch zu sehr gestreckt.“