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Revierförster Dirk Hungenberg (mi), Bürgermeister Alexander Kreissl (li) sowie Suse Bruer von der Gemeindevertretung Seeheim-Jugenheim luden zur jährlichen Waldbegehung ein. Foto: Paul Wicht
21. Dezember 2022 

Viele Männlein im Walde

Waldbegehung im Seeheimer Naturschutzgebiet „Kalksandkiefernwald“

SEEHEIM-JUGENHEIM, Dezember 2022 (pawi), Am 5.11. luden die Vorsitzende der Gemeindevertretung Seeheim-Jugenheim Suse Bruer sowie der Revierförster Dirk Hungenberg von Hessenfort zur jährlichen Waldbegehung durch das Naturschutzgebiet „Kalksandkiefernwald“ ein.
Das Angebot nahmen viele Interessierte aus der Gemeinde, Bürgermeister Alexander Kreissl, Mitglieder verschiedener Parteien sowie dem NABU Seeheim-Jugenheim wahr. Hier wurde der aktuelle Zustand des Waldes, Hintergründe vergangener Aktionen sowie deren rechtlicher Rahmen sowie Zielsetzungen besprochen. Ziel der Waldbegehung war es einmal mehr Verständnis für die unterschiedlichen Funktionen des Waldes zu schaffen.

Für den Ottonormal-Bürger bedeutet der Wald vor allem ein Stück Natur, das zum Spazieren gehen und Energietanken einlädt. Nicht zuletzt schätzen wir den Wald als Erholungsraum und wichtiges landschaftsbildendes Element der Region. Für Tiere und Pflanzen bietet der Wald wiederum einen essentiellen Rückzugsort bzw. den benötigten Lebensraum. Auch auf ökologischer Ebene ist der Wald als Kohlenstoffspeicher und für das Funktionieren der Wasserkreisläufe unersetzbar. Doch auch das Ökosystem Wald ist sowohl durch den Klimawandel als auch durch menschliche Eingriffe wie beispielsweise den Autobahn- oder Gleisbau bedroht.

Und auch der Wald im Naturschutzgebiet „Kalksandkiefernwald“ hat es heutzutage nicht leicht. Die dort wachsenden Kiefern kommen mit dem kargen sandigen Boden und damit einhergehenden trockenen Bedingungen eigentlich sehr gut zurecht, doch der Wassermangel im Zuge des Klimawandels macht auch den Kiefern zu schaffen. So sterben nicht selten die Baumkronen oder ganze Bäume aufgrund von Wassermangel, der zu Pilz- und Schädlingsbefall führt, ab. Diese Kiefernwälder sollen im Naturschutzgebiet erhalten bleiben, aber eine Gegenmaßnahme zur vorher genannten Entwicklung ist auch die Etablierung von anderen Baumarten, die besser mit dem trockenen Klima zurechtkommen, um das Kronendach des Waldes geschlossen und den Wald somit kühl zu halten. Eine weitere Maßnahme zur Sicherung der Funktionen des Waldes ist die nachhaltige Bewirtschaftung. Hierbei werden beispielsweise Biotopbäume stehengelassen, andere Flächen stillgelegt oder auch an anderer Stelle Walderlebnispfade angelegt. Stets nach einem integrativen möglichst für den Wald unschädlichen Ansatz.

Aber ganz so einfach ist es auch im Wald nicht. Denn auch dort treffen unterschiedliche (berechtigte) Interessen verschiedener Gruppen aufeinander und Aktionen, die aus der einen Perspektive gute Ziele anstreben, sind aus einer anderen Perspektive heraus eventuell sogar kontraproduktiv.

Zum Beispiel ist jedem von uns in den letzten Jahren das Thema Waldbrandgefahr durch die zahllosen Brände weltweit, und auch im nicht weit entfernten Münster bei Dieburg, schmerzlich ins Zentrum des Bewusstseins gerückt. So könnte man denken, dass notwendige Brandschneisen, wie es sie auch im besagtem Wald bei Seeheim gibt, nur positiv zu sehen sind. Bewertet man diese allerdings aus der anderer Sicht wird klar, dass das Durchbrechen des Blätterdachs durch das Einziehen einer Brandschneise auch durchaus negative Folgen für das Mikroklima im Wald haben kann, da sich der Waldboden so eher aufwärmt. Darüber hinaus ist der Abtransport des (gut brennbaren) Totholzes dafür verantwortlich, dass der Lebensraum für manche Tierarten verschwindet. Andererseits hat der Abtransport des Totholzes aber wiederum auch die Ansiedlung von seltenen Pflanzenarten, die nun unter Naturschutz stehen, begünstigt.

In der Praxis geschieht diese Abwägung dann teilweise dadurch, dass verschiedene Gebiete innerhalb des Naturschutzgebietes definiert werden, in den dann unterschiedliche Ziele verfolgt werden können. So kam es dann auch, dass am 15.11.2022 beim Umweltausschuss der Gemeinde Seeheim-Jugenheim im Rahmen des Waldwirtschaftsplans der Einschlag von 3525 Festmetern Holz in den kommenden Jahren verabschiedet wurde.
Diese sollen allerdings so schonend wie möglich, nur dort wo es ökologisch, waldbaulich und ökonomisch Sinn ergibt und auf einer großen Fläche geschlagen werden, sodass der Eingriff gering bleibt.