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Landwirtschaftsminister Ingmar Jung krönt die bislang jüngste hessische Spargelkönigin Lena Wendel aus Zwingenberg. Maddin Schneider reicht die Krone. Foto: Thomas Tritsch
14. Mai 2024 

Heimspiel für die neue Königin Lena I.

Hessische Spargelsaison in Zwingenberg eröffnet

ZWINGENBERG, Mai 2024 (tt), Die hessische Spargelkönigin kommt von der Bergstraße: Lena Wendel aus Zwingenberg wurde zum offiziellen Saisonstart am 8. April als neue Repräsentantin des edlen Gemüses vorgestellt. Mit 15 Jahren ist die Schülerin der Bensheimer Liebfrauenschule die bislang jüngste Regentin überhaupt. Lena Wendel ist die Tochter von Chantal Wendel, der Geschäftsführerin des gleichnamigen Spargel- und Obsthofs. Nach ihrer Ausbildung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau, die im Sommer beginnen wird, möchte Lena I. in den heimischen Betrieb einsteigen.

Chantal Wendel wurde am gleichen Tag als Nachfolgerin von Rolf Meinhardt präsentiert, der sich nach 36 Jahren in diesem Amt in den Ruhestand verabschieden wird. Der Spargelbauer aus Weiterstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg) ist seit vielen Jahren Kopf des Arbeitskreises Spargel Südhessen. Der 66-Jährige sieht die Position bei seiner jungen Kollegin in besten Händen. „Wir werden den Arbeitskreis mit einer neuen Generation gewissenhaft weiterführen“, so die Chefin des gastgebenden Betriebs, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Florian und dessen Mutter – und Gründerin Sigrid Wendel – leitet. Seit 1986 baut die Familie Spargel an. Mitte der 90er Jahre kamen Erdbeeren und später auch Himbeeren hinzu.

„Nachhaltigkeit ist unsere Existenz“, so die Königinnen-Mutter zum sonnigen Saisonbeginn, der von einem großen medialen Interesse begleitet wurde. Unter den Gästen waren Landrat Klaus Peter Schellhaas und der hauptamtliche Bergsträßer Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf. Auch Comedian „Maddin“ Schneider kam nach Zwingenberg. Als Botschafter wirbt er dieses Jahr vollmundig für „Schpaschel“ aus heimischem Anbau, den er am liebsten „naggisch“ mit Handkäs verzehrt, wie er beim Spargelstechen in Auerbach verriet. Die begehrten Stangen werden in Hessen meist vor Ort direkt vermarktet, nach wie vor der wichtigste Vertriebsweg der hiesigen Erzeuger. Kunden erkennen die garantierte Herkunft am offiziellen Label „Geprüfte Qualität Hessen“.

Milde Temperaturen und viel Sonne haben in Hessen in diesem Frühling für eine sehr frühe Ernte gesorgt. Der erste Spargel kam bereits am 6. März in den Handel. So früh wie niemals zuvor, freute sich Rolf Meinhardt der auch Mitglied im Vorstand des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer ist. Hessens neuer Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) übte sich in Südhessen nicht nur im Spargelstechen – er krönte auch die neue Königin. Lena Wendel möchte über ihr Amt dazu beitragen, dass die Leistung der Spargelbauern wertgeschätzt wird. Hessen gehört mit knapp 2000 Hektar zu den wichtigsten deutschen Anbaugebieten für Spargel.

Der Anbauschwerpunkt erstreckt sich über die Landkreise Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und Bergstraße. Im vergangenen Jahr haben die Erzeuger auf rund 1500 Hektar rund 7000 Tonnen Spargel kultiviert und in den Verkauf gebracht. Das bedeutet ein Rückgang um etwa 290 Hektar im Vergleich zu 2022.

Als Grund werden die gestiegenen Kosten für den Anbau genannt, die nicht vollständig durch höhere Preise im Handel abgefedert werden könnten, heißt es aus dem Verband. Das Erntejahr 2024 verspreche aber schon jetzt sehr gute Qualitäten bei einer stabilen Preisentwicklung, so Rolf Meinhardt. Der Kilopreis beginne momentan bei rund acht Euro. Zum Start der Saison geht er bei den Top-Qualitäten (Erste Wahl) von Preisen um die 18 Euro aus. Wenn die normale Ernte einsetzt, würden die Preise wie jedes Jahr leicht fallen. Meinhardt berichtet von hervorragenden Wachstumsbedingungen und einem klimatisch optimalen Start ins neue Jahr.

Seit Mitte Januar habe es keine Bodenfröste mehr gegeben. Trotz der Niederschläge über die kalten Monate konnten alle Feld- und Dämmarbeiten erledigt werden, so dass einer erstklassigen Spargelsaison nichts mehr im Wege stehe, so Meinhardt. Das Gemüse habe über einen langen Zeitraum viele Nähr- und Aromastoffe ausbilden können. „Und das schmeckt man auch“, betonte der Spargelkenner mit über vier Jahrzehnten Erfahrung in der Landwirtschaft.

Es lohne sich immer, auf den Saisonbeginn und den hessischen Spargel zu warten, so der Minister, der seit Januar im Amt ist und in einem Weingut in Eltville-Erbach (Rheingau) aufgewachsen ist. „Bisher habe ich nur Weinköniginnen gekrönt“, so Ingmar Jung, der seine Spargel-Premiere recht ordentlich über die Bühne gebracht hat. Beim zweiten Versuch war die Stange gekappt, und auch das Krönchen saß nach kurzen Korrekturen recht perfekt.

Frühlingsgefühle überall. Die Branche erwartet einen Superjahrgang. Zu Beginn rangieren die hessischen Erzeuger bei zehn bis 20 Prozent des maximalen Ertrags, der sich in den nächsten Wochen schnell steigern werde. Die Spargelernte dauert traditionell bis zum Johannistag am 24. Juni. Novum in diesem Jahr war eine erste Ernte noch vor dem Osterfest. Laut Ingmar Jung verzehrt jeder Deutsche im Durchschnitt 1,4 Kilogramm pro Jahr. Der Minister geht davon aus, dass die Südhessen erheblich mehr Spargelhunger aufweisen. Die Deutschen bevorzugen weißen Spargel. Mit viel Kalium und Vitamin C sowie weniger als 20 Kalorien pro 100 Gramm sind alle Spargelarten ein gesundes und kalorienarmes Gemüse, das sich auf vielfältige Art zubereiten lässt.

Das Edelgemüse wird in Hessen nach wie vor per Hand geerntet. Ein aufwändiges Verfahren, das sich auch auf den Preis niederschlage, so Meinhardt. Wer qualitativ hohen Genuss wolle, der müsse auch die Arbeit der Landwirte wertschätzen und etwas tiefer in die Tasche greifen. Bei der Ernte wird Stange für Stange vorsichtig mit einer speziellen Technik aus der Erde gestochen, ohne dabei die Wurzel zu beschädigen. Auf dem Spargel- und Obsthof Wendel sind ab Mitte Mai rund 300 Helfer im Einsatz, um die begehrten Stangen zu ernten, die dann auf dem Aussiedlerhof in Zwingenberg sowie an den zahlreichen Verkaufsbuden in der Region angeboten werden.